Gerd Kommer ETF kaufen: KESt‑frei in Österreich
Seit Juni 2023 gibt es das Weltportfolio-Konzept von Gerd Kommer als einzelnen ETF: über 4.000 Aktien aus Industrie- und Schwellenländern, gewichtet nach Marktkapitalisierung, Wirtschaftsleistung und fünf Faktoren. Dieser Artikel zeigt, wie der ETF aufgebaut ist, was er kostet und wie du ihn in Österreich KESt-frei besparen kannst.
Konzept: Weltportfolio in einem ETF
Der L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF ist ein weltweit anlegender Aktien-ETF, aufgelegt im Juni 2023 vom britischen Anbieter Legal & General (LGIM) gemeinsam mit Gerd Kommers Münchner Vermögensverwaltung Gerd Kommer Invest.
Der Index startet mit dem investierbaren Weltaktienmarkt: rund 99 % der frei handelbaren Marktkapitalisierung aus 46 Industrie- und Schwellenländern. Drei Regelwerke formen daraus das Portfolio:
- Ländergewichtung: Jedes Land zählt je zur Hälfte nach Marktkapitalisierung und Wirtschaftsleistung (BIP). Das senkt den US-Anteil und stärkt die Schwellenländer.
- Faktoren: Günstige Bewertung (Value), hohe Qualität, geringere Größe (Size) und positives Momentum erhöhen das Gewicht einer Aktie tendenziell; ausgeprägte Kapitalmaßnahmen (Investment) senken es.
- Kappung: Maximal 1 % je Position, geprüft zu jedem vierteljährlichen Rebalancing.
Dazu kommen Ausschlüsse: die CO₂-intensivsten 3 % je Sektor, Verstöße gegen den UN Global Compact, kontroverse Waffen, Kohle sowie Aktien mit sehr kurzer Börsenhistorie oder hohen Leerverkaufsquoten. Übrig bleiben knapp 5.000 Indexpositionen. Drei Jahre nach Auflage verwaltet der ETF rund 1,7 Mrd. US-Dollar.
| ISIN | IE0001UQQ933 (Acc)IE000FPWSL69 (Dist) |
|---|---|
| Index | Solactive Gerd Kommer Multifactor Equity Index |
| Auflage | Juni 2023 |
| Anbieter | Legal & General (LGIM), Konzept: Gerd Kommer Invest |
| Replikation | physisch (optimiertes Sampling) |
| Ertragsverwendung | thesaurierend und ausschüttend |
| Laufende Kosten (TER) | 0,45% p.a. |
| Fondswährung | US-Dollar, nicht währungsgesichert |
| Fondsvolumen | rund 1,7 Mrd. US-Dollar |
| Domizil | Irland (UCITS) |
Kommer-ETF vs. Welt-ETF
Ein klassischer Welt-ETF gewichtet nach Marktkapitalisierung: Je größer ein Unternehmen, desto mehr Gewicht bekommt es. Mitte 2026 heißt das über 60 % USA und fast ein Viertel des Vermögens in nur zehn Aktien. Das ist keine Fehlkonstruktion, sondern die Logik des Marktportfolios; aber es ist eine Konzentration, die nicht jeder tragen will.
Der Kommer-ETF setzt dem zwei Regeln entgegen. Die 50/50-Ländergewichtung drückt den US-Anteil auf rund 47 %, die 1-%-Kappung verteilt das Gewicht in die Breite: Die zehn größten Positionen machen gut 11 % aus. Dazu nimmt er Small Caps und Schwellenländer voll mit: knapp 5.000 Positionen statt der üblichen 1.400 bis 3.800.
| Merkmal | Gerd-Kommer-ETF | Vanguard FTSE All-World |
|---|---|---|
| USA-Anteil | 46,9% | 61,7% |
| Anteil der 10 größten Positionen | 11,1% | 24,0% |
| Positionen | 4.968 (Index) | 3.782 |
| Small Caps | ja | nein |
| Laufende Kosten p.a. | 0,45% | 0,14% |
Die Gegenleistung für die breitere Streuung steht in der Kostenzeile: 0,45 % p.a. für den Kommer-ETF. Ein klassisches ETF-Weltportfolio, abgebildet durch einen Welt-ETF oder durch eine Mischung aus einem MSCI-World-ETF und einem MSCI-Emerging-Markets-ETF, kostet rund 0,18 % p.a. Der Aufschlag von rund 0,27 Prozentpunkten fällt sicher an, jedes Jahr.
Die Faktorprämien, die ihn mehr als ausgleichen sollen, sind wissenschaftlich gut dokumentiert, aber nicht garantiert. Sie können über Jahre ausbleiben. Wer so investiert, wird zwangsläufig vom marktkapitalisierten Index abweichen, nach oben wie nach unten. Damit musst du leben können. Dafür bekommst du ein systematisch ausgewogeneres Weltportfolio, um das du dich nach dem Kauf nicht mehr kümmern musst.
Steuerhebel: ausschüttungsgleiche Erträge
Ein thesaurierender ETF schüttet nichts aus, trotzdem versteuerst du ihn im Depot jedes Jahr. Der Fonds ist in Österreich Meldefonds und meldet jährlich seine ausschüttungsgleichen Erträge: die Dividenden der über 4.000 Aktien und einen Teil der Gewinne, die der Fonds beim Umschichten realisiert. Auf beides fällt 27,5 % KESt an, obwohl du keinen einzigen Anteil verkauft hast.
Genau hier unterscheidet sich die Faktorstrategie vom klassischen Indexfonds. Ein marktkapitalisierter Welt-ETF muss kaum handeln, weil Kursänderungen die Gewichte von selbst anpassen. Der Kommer-Index schichtet dagegen regelbasiert um, laut Anbieter rund 30 % des Portfolios pro Jahr. Jede dieser Umschichtungen realisiert Gewinne, die im Depot in die jährliche Besteuerung wandern.
Am Fonds selbst liegt das nicht: Laut trackingdifferences.com blieb der ETF seit 2024 im Schnitt nur 0,40 Prozentpunkte pro Jahr hinter seinem Index und war damit sogar leicht günstiger, als die TER vermuten lässt. Für den Steuerabzug in Österreich zählt aber die OeKB-Meldung, und die zeigt die Größenordnung der ausschüttungsgleichen Erträge:
| Ausschüttungen | 0,0000 |
|---|---|
| Ausschüttungsgleiche Erträge (27,5% KESt) | 0,4790 |
| Korrektur der Anschaffungskosten | +0,4795 |
Die Meldung rechnet in US-Dollar, der Fondswährung: Die 0,479 US-Dollar je Anteil entsprechen rund 2,7 % des damaligen Anteilswerts (umgerechnet 15,13 €). Die KESt darauf kostet dich im Depot also rund 0,75 % des Fondswerts, für dieses eine Geschäftsjahr mehr, als der Fonds selbst an laufenden Kosten verrechnet. Die Korrektur der Anschaffungskosten sorgt im Gegenzug dafür, dass dieselben Gewinne beim späteren Verkauf nicht noch einmal besteuert werden: Der Fonds hat keinen Steuernachteil eingebaut, im Depot zieht er die Besteuerung nur vor, und genau dieses Vorziehen kostet Zinseszins.
In der Nettopolizze gibt es diese jährliche Belastung nicht. Auf deine Erträge fällt keine KESt an, auch nicht bei der Auszahlung. Umschichtungen und Rebalancing innerhalb der Polizze sind steuerfrei, und das Geld, das im Depot jedes Jahr ans Finanzamt gegangen wäre, bleibt investiert und verzinst sich weiter.
Verfügbarkeit: ÖBV und Allianz
Zwei Versicherer aus unserem Vergleich führen den Gerd Kommer ETF derzeit in ihren Fondslisten: die ÖBV in den Tarifen FOML-M und FONE-M sowie die Allianz in Meine Zukunft FlexInvest, wahlweise als Sparplan oder als Einmalerlag.
Fondslisten sind nicht in Stein gemeißelt: Die Versicherer erweitern und überarbeiten sie laufend. Den aktuellen Stand siehst du in der Fondsliste auf der jeweiligen Anbieterseite; gelistet ist die thesaurierende Anteilsklasse. Alle vier Tarife sind im Vergleich gelistet und direkt abschließbar.
Tarifwahl: die Hülle entscheidet
Der Fonds ist in allen vier Tarifen exakt derselbe. Was sich unterscheidet, ist die Hülle: Abschluss- und Verwaltungskosten, Mindestbeiträge und die Frage, ob du monatlich sparst oder einmalig einzahlst. Genau diese Unterschiede bestimmen, wie viel von der Fondsrendite am Ende bei dir ankommt.
Eine pauschale Antwort, welcher Tarif der günstigste ist, gibt es nicht: Das Ergebnis hängt von Sparrate, Einzahlungsform, deinem Alter und der Laufzeit ab. Der Vergleich rechnet alle Tarife mit denselben Annahmen durch und zeigt dir das projizierte Endkapital für deine Eingaben. Wie die Berechnung funktioniert, legen wir in der Rechenmethodik offen.
Grenzen: Kosten und Faktorprämien
Die Kosten sind der sichere Teil der Rechnung: Der Kommer-ETF kostet 0,45 % pro Jahr, ein klassisches ETF-Weltportfolio rund 0,18 %. Dieser Aufschlag von rund 0,27 Prozentpunkten fällt jedes Jahr an. Die Faktorprämien, die ihn ausgleichen sollen, sind der unsichere Teil, und wie sich das bisher entwickelt hat, zeigen die ersten drei Jahre.
| 12 Monate bis 30. Juni | Gerd-Kommer-ETF | Vanguard FTSE All-World |
|---|---|---|
| 2023/24 | +15,59% | +19,14% |
| 2024/25 | +18,14% | +16,36% |
| 2025/26 | +24,43% | +23,58% |
| 3 Jahre kumuliert | +69,93% | +71,4% |
In zwei der drei Jahre lag der Kommer-ETF vorn, kumuliert liegt er trotzdem rund 0,3 Prozentpunkte pro Jahr zurück, ungefähr die Kostendifferenz. Der Rückstand stammt fast vollständig aus dem Jahr 2023/24, als die großen US-Konzerne den Markt trugen und genau deren Gewicht dieser Index bewusst begrenzt. Drei Jahre sagen über Faktorprämien allerdings nichts aus: Sie werden über Jahrzehnte gemessen, und wer sie bewerten will, braucht einen langen Atem.
Eine Grenze bleibt: Die Nettopolizze ist auf lange Laufzeiten gebaut; für Geld, das du in wenigen Jahren wieder brauchst, passt sie nicht. Die Details dazu stehen im Artikel zu Flexibilität und Auszahlung.
Quellen: Factsheet und Produktangaben von Legal & General (LGIM) und Gerd Kommer Invest zum L&G Gerd Kommer Multifactor Equity UCITS ETF; Vanguard-Factsheet zum FTSE All-World UCITS ETF; Tracking Difference laut trackingdifferences.com; Jahresmeldung vom 15.01.2026 aus dem Fondsdatenservice der Oesterreichischen Kontrollbank (OeKB); Euro-Referenzkurs der Europäischen Zentralbank; InvFG 2011 (§ 186 Abs. 2 Z 1); EStG 1988 (§ 27a); VersStG 1953 (§ 5 Abs. 5).
Dieser Artikel stellt keine Steuer- oder Anlageberatung dar. Die steuerliche Behandlung hängt von deinen persönlichen Verhältnissen ab und kann sich ändern; die Wertentwicklung der Vergangenheit ist keine Prognose für die künftige Entwicklung.