So rechnet unser Vergleich: Unsere Methodik & Formeln

Marcel Unterlerchnervon Marcel Unterlerchner
Stand: 29.07.2026

Vertrauen ist gut, Nachrechnen ist besser. In der Finanzbranche sind Vergleichsrechner oft „Black Boxes“ – man wirft Daten oben hinein und erhält unten ein Ergebnis, ohne zu wissen, was dazwischen passiert.

Wir gehen einen anderen Weg. Wir sind von der mathematischen Vorteilhaftigkeit einer provisionsfreien Nettopolizze überzeugt – nicht weil wir es glauben, sondern weil wir es berechnet haben. Wir nutzen diese Instrumente selbst für unsere eigene Vorsorge. Deshalb machen wir unsere Berechnungslogik transparent.

Das Grundprinzip: ETF vs. ETF

Unser Anspruch ist ein möglichst fairer Vergleich. Viele Rechner verzerren das Ergebnis, indem sie unterschiedliche Fonds vergleichen, Kosten nicht einbeziehen oder die Steuern ausklammern.

Wir vergleichen Äpfel mit Äpfeln: In beiden Szenarien – sowohl im klassischen Wertpapierdepot als auch in der Nettopolizze – investierst du in exakt dasselbe ETF-Portfolio. Ob du dabei ein vorgeschlagenes Portfolio nutzt oder deine ETFs selbst zusammenstellst, bleibt dir überlassen – entscheidend ist, dass beide Seiten identisch investieren. Wir eliminieren den Faktor „Glück“ bei der Fondsauswahl, um rein die steuerlichen und kostentechnischen Unterschiede der Hüllen zu analysieren.

Für diese Simulation rechnen wir mit einer langfristigen nominalen Marktrendite von 8,0 % p.a. Dies ist kein willkürlich gewählter Optimismus, sondern stützt sich auf die historischen Datenreihen des renommierten UBS Global Investment Returns Yearbook (Dimson/Marsh/Staunton), das Aktienmarktrenditen seit 1900 auswertet. Warum diese Annahme für einen langfristigen Zeitraum von 15+ Jahren wissenschaftlich fundiert ist, analysieren wir im Detail in unserem Ratgeber zur historischen Aktienrendite.

Säule 1: Die steuerliche Realität im ETF-Depot

Im Depot-Szenario bilden wir deine Situation als österreichischer Anleger exakt ab. Wir rechnen hier mit dem aktuellen Steuersatz von 27,5 % auf Kapitalerträge.

Ein Detail, das viele einfache Excel-Rechner ignorieren, sind die sogenannten ausschüttungsgleichen Erträge. Auch bei thesaurierenden ETFs fallen in Österreich laufend Steuern an, was oft als „Zinseszins-Killer“ wirkt. Wir kalkulieren hier konservativ, dass 20 % der Jahresrendite als „substanzwirksam“ gelten und davon 60 % jährlich versteuert werden müssen.

Der negative Effekt dabei ist, dass diese Steuer jährlich aus deinem Depotbestand abgeführt werden muss. Das reduziert das Kapital, das im nächsten Jahr Zinsen erwirtschaften kann. Zusätzlich berücksichtigen wir realistische Ordergebühren am Beispiel von Flatex.at von 1,50 € pro Ausführung, um die Kosten der Geldanlage auch im Depot-Szenario fair abzubilden.

Säule 2: Die Nettopolizze und der minimale Gesamtabrieb

Im Szenario der Nettopolizze simulieren wir den exakten Vertragsverlauf einer modernen Nettopolizze. Hier greift der vollständige Tax-Shield: Laufende Erträge – Dividenden, Kursgewinne und Umschichtungen – sind vollständig KESt-befreit.

Die Eintrittskosten (Versicherungssteuer)

Anders als beim Depot fällt hier eine Versicherungssteuer an. Unser Rechner wendet hier die gesetzlich korrekte Berechnungsmethode an, die für dich vorteilhafter ist als ein pauschaler Abzug: Die 4 % Steuer werden auf die Nettoprämie berechnet. Das bedeutet mathematisch: Dein Bruttobeitrag wird durch 1,04 dividiert.

Beispiel: Bei 100 € Einzahlung verbleiben ca. 96,15 € Prämie (und nicht nur 96,00 €).

Solltest du Einmalerläge tätigen und die gesetzliche Mindestbindefrist (je nach Alter 10 oder 15 Jahre) nicht einhalten, berücksichtigt der Rechner im Hintergrund automatisch die gesetzliche Nachversteuerung. Dabei wird die Differenz zur regulären Versicherungssteuer fällig, was effektiv einer Nachbelastung von 7 % auf die eingezahlten Beiträge entspricht.

Die laufenden Kosten (Effektivkosten)

Wir rechnen mit den exakten Kostenparametern des jeweiligen Tarifs, die dynamisch aus unserer Datenbank geladen werden. Die im Vergleichsrechner angezeigten Effektivkosten p.a. fassen sämtliche Kostenkomponenten und Steuern in einer einzigen Kennzahl zusammen: Abschlusskosten, Verwaltungskosten auf das Deckungskapital, fixe Stückkosten, Risikokosten sowie die Versicherungssteuer. „Effektivkosten“ ist dabei keine gesetzlich definierte Kennzahl, sondern unsere Bezeichnung für diese im Rechner ausgewiesene Zusammenfassung.

Zusätzlich werden die ETF-Kosten (TER) des gewählten Portfolios separat ausgewiesen. Die Summe aus Effektivkosten und ETF-Kosten ergibt die gesamte jährliche Renditeminderung gegenüber der Bruttorendite. Sie entspricht dem Konzept der Zinsminderung aus der Kostentabelle nach Anlage 1 zur LV-InfoV 2018, wird hier aber mit den Annahmen unseres Vergleichs berechnet.

KostenSteuer
Abschluss- und Transaktionskosten0,068%
Laufende Verwaltungskosten0,219%
Risikokosten0,029%
Versicherungssteuer0,146%
Fondskosten (TER)0,196%
Effektivkosten (ohne Fondskosten)0,462% p.a.
Renditeminderung gesamt0,658% p.a.
Annahme: 5.000 € Einmalerlag + 200 € monatlich · 40 Jahre · Alter 35 · 8 % Bruttorendite p.a. · bestplatzierter Tarif der Standardeinstellung im Vergleichsrechner
Modellrechnung, keine Renditeprognose

Bei effizienten Nettopolizzen-Anbietern sind die laufenden Kosten sehr niedrig. Bei den Investment-Tarifen (Einmalerlag) beginnen die Effektivkosten – je nach Laufzeit – bei rund 0,19 % p.a., bei Sparplan-Tarifen liegen sie bei etwa 0,4 % p.a.

Hinzu kommen die Kosten des gewählten ETFs (TER), die je nach Fondswahl variieren und im Schnitt bei rund 0,18 % p.a. liegen. Diese beiden Komponenten zusammen ergeben die gesamte Renditeminderung.

Ein einfaches Rechenbeispiel verdeutlicht die Effizienz: Erwirtschaftet der gewählte ETF eine Brutto-Rendite von 8,0 % p.a., bleibt nach Abzug der Renditeminderung – bei einem Investment-Tarif rund 0,37, bei einem Sparplan rund 0,58 Prozentpunkte – eine Nettorendite von etwa 7,6 % beziehungsweise 7,4 % bei dir. Es handelt sich um eine Modellrechnung und keine Renditeprognose – dein tatsächliches Ergebnis hängt vom Tarif, der Laufzeit und deiner ETF-Wahl ab.

Risikokosten: echte Sterbetafeln statt Pauschalen

Die Risikokosten berechnen wir altersabhängig – mit den aktuariellen Sterbetafeln, auf die die Versicherer in ihren eigenen Tarifbedingungen verweisen (etwa ÖST 2010/12 der Statistik Austria). Deine monatliche Risikoprämie ergibt sich aus dem tatsächlich riskierten Kapital und der Sterbewahrscheinlichkeit deines Alters – sie verändert sich also über die Laufzeit, statt pauschal angesetzt zu werden. Uns ist kein anderer Vergleichsrechner bekannt, der die Risikokosten so exakt abbildet: Pauschale Annahmen können gerade bei langen Laufzeiten das Ergebnis spürbar verzerren.

Die Hochrechnungs-Konvention (LV-InfoV 2018)

Unsere Simulation folgt der Hochrechnungs-Logik, die die LV-InfoV 2018 für Modellrechnungen vorgibt: Hochgerechnet wird nach Produktkosten – also nach Versicherungssteuer und allen Kosten der Versicherungshülle. Die Fondskosten (TER) werden separat ausgewiesen und zusätzlich vom Endergebnis abgezogen. Als Maßstab dienen die gesetzlich verpflichtenden Modellrechnungen der Versicherer: An deren offiziellen Hochrechnungswerten gleichen wir unsere Simulation je Tarif ab.

Die ausgewiesene Renditeminderung zerlegen wir dabei in fünf Kostenschichten:

  • Abschluss- und Transaktionskosten
  • Laufende Verwaltungskosten
  • Risikokosten
  • Versicherungssteuer
  • Fondskosten (TER)

Ergebnis: Der Netto-Vorteil

Am Ende der Laufzeit zieht unser Algorithmus Bilanz. Im Depot-Szenario erfolgt ein fiktiver Verkauf aller Anteile, bei dem die noch nicht versteuerten Kursgewinne mit 27,5 % KESt belastet werden. Bei der Nettopolizze hingegen ist die Auszahlung komplett steuerfrei, da die 4 % Versicherungssteuer bereits beim Einzahlen entrichtet wurde (beim Einmalerlag vorausgesetzt, die gesetzliche Mindestlaufzeit wird eingehalten).

Die Differenz dieser beiden Endwerte ist dein „Netto-Vorteil“. Ist der Wert positiv, hat die vollständige KESt-Befreiung der Nettopolizze die Produktkosten überkompensiert.

Open Source Datei-Download

Wir möchten, dass unsere Arbeit überprüfbar ist. Für Entwickler, Finanzmathematiker und technisch interessierte Nutzer stellen wir hier die Berechnungslogik zur Verfügung.

Berechnungslogik herunterladen

Hinweis: Aus Sicherheitsgründen haben wir den hier bereitgestellten Python-Code anonymisiert und um projektspezifische Abhängigkeiten bereinigt. Die mathematische Logik und die steuerlichen Berechnungswege entsprechen jedoch dem produktiven Code.

Datenquellen: UBS Global Investment Returns Yearbook (Dimson/Marsh/Staunton); Sterbetafel ÖST 2010/12 (Statistik Austria). Rechtsquellen: EStG 1988 (§ 27a, § 27 Abs. 5 Z 3); VersStG 1953 (§ 5 Abs. 5 u. 6); InvFG 2011 (§ 186 Abs. 2 Z 1); LV-InfoV 2018 (BGBl. II Nr. 247/2018).

Dieser Artikel stellt keine Steuer- oder Anlageberatung dar. Für individuelle steuerliche Fragen empfiehlt sich die Abstimmung mit einem österreichischen Steuerberater.

Häufig gestellte Fragen

Warum rechnet ihr mit 4 % Versicherungssteuer und nicht 11 %?

Der Rechner unterstellt eine langfristige Vorsorge, für die der Steuersatz von 4 % gilt; beim Einmalerlag setzt das die Mindestlaufzeit von 15 bzw. 10 Jahren voraus. Um das Ergebnis bei einer vorzeitigen Kündigung nicht zu beschönigen, bildet der Chart die fiktive Nachversteuerung von 7 % bis zum Erreichen dieser Mindestlaufzeit explizit ab.

Sind die Fondskosten (TER) berücksichtigt?

Ja, die TER der gewählten ETFs wird in beiden Szenarien berücksichtigt und am Ende vom Ergebnis abgezogen. Diese Kosten kürzen sich im Vergleich nicht heraus: Da Depot und Polizze unterschiedliche mathematische Bezugswerte aufweisen, wirken sich identische Kostensätze asynchron auf das jeweilige Endvermögen aus.

Berücksichtigt der Rechner eine mögliche Senkung der KESt?

Nein, die Kalkulation basiert auf der aktuellen Gesetzeslage (Status Quo: 27,5 % KESt). Zukünftige politische Entscheidungen sind spekulativ und fließen nicht ein. Mit einer Polizze erzielst du jedoch eine steuerliche Diversifikation, da sie einem gänzlich anderen Rechtsrahmen (Versicherungssteuer statt Kapitalertragsteuer) unterliegt. Durch diese Aufteilung auf zwei unterschiedliche Besteuerungssysteme reduzierst du das Risiko einseitiger regulatorischer Änderungen.