Wie hoch ist die Rendite von Aktien?

Alex Stiglitzvon Alex Stiglitz
Stand: 29.07.2026

Die "8 Prozent" sind in der Finanzwelt fast schon eine magische Zahl. Wer sich mit dem Vermögensaufbau beschäftigt, stößt unweigerlich auf diese Prognose. Sie wird in Renditerechner eingetippt, sie dient als Basis für die Pensionslücke und sie weckt Hoffnungen auf den schnellen Reichtum. Doch wer blind mit diesem Wert kalkuliert, läuft Gefahr, eine böse Überraschung zu erleben.

Denn Rendite ist nicht gleich Rendite. Was auf dem Papier oder in historischen Rückblicken beeindruckend aussieht, muss sich in der Realität gegen zwei mächtige Gegenspieler behaupten: die Inflation, die deine Kaufkraft aushöhlt, und – speziell hier in Österreich – den Staat, der via Kapitalertragsteuer (KESt) mitschneidet.

Der Blick in den Rückspiegel

Um eine verlässliche Aussage über die Zukunft zu treffen, müssen wir weit in die Vergangenheit schauen. Ein Zeitraum von zehn oder zwanzig Jahren reicht an der Börse statistisch nicht aus, um valide Durchschnitte zu bilden. Zu stark verzerren einzelne Ereignisse wie die Dotcom-Blase oder die Finanzkrise 2008 das Bild.

Deshalb stützen wir uns auf die renommierten „DMS-Daten“ der Finanzprofessoren Elroy Dimson, Paul Marsh und Mike Staunton. In ihrem Global Investment Returns Yearbook 2025 haben sie die Finanzmarktdaten von 1900 bis Ende 2024 ausgewertet. Dieser Datensatz ist deshalb so wertvoll, weil er nicht nur Schönwetterphasen abdeckt, sondern zwei Weltkriege, Hyperinflationen, Pandemien und unzählige Rezessionen beinhaltet.

Das Ergebnis dieser umfassenden Analyse für ein breit gestreutes, globales Aktienportfolio liegt bei einer nominalen Rendite von rund 8,0 % pro Jahr.

Es ist entscheidend zu verstehen, dass es sich hierbei um den geometrischen Durchschnitt über einen sehr langen Zeitraum handelt. In der Praxis wirst du kaum ein Jahr erleben, in dem dein Depot exakt um 8,0 % wächst. Die Börse kennt kein lineares Wachstum. In einem Jahr magst du 20 % Gewinn machen, im nächsten 15 % verlieren. Die 8 % sind der theoretische Mittelwert, der sich einstellt, wenn man die kurzfristigen Schwankungen (Volatilität) über Jahrzehnte glättet. Wer diese langfristige Perspektive einnimmt, nähert sich dem, was man im Magischen Dreieck der Geldanlage als Balance zwischen Risiko und Rendite versteht.

Jeremy Siegels „Stocks for the Long Run“

Warum aber gelten Aktien als riskant, wenn sie historisch so solide liefern? Hier hilft der Blick in das Standardwerk "Stocks for the Long Run" von Jeremy Siegel. Der US-Finanzprofessor argumentiert schlüssig, dass das Risiko von Aktien keine statische Größe ist, sondern eine Funktion der Zeit.

Kurzfristig sind Aktien tatsächlich hochspekulativ. Die Standardabweichung – also das Maß für die Schwankungsbreite der Kurse – ist auf Sicht von einem Jahr enorm. Du kannst Glück haben oder einen Großteil deines Kapitals temporär verlieren. Doch Siegel zeigt auf, dass sich dieses Bild komplett wandelt, je länger du die Aktien hältst.

Siegel prägte die Erkenntnis, dass Aktien über Zeiträume von 20 oder 30 Jahren historisch gesehen nicht nur rentabler, sondern paradoxerweise sogar „sicherer“ waren als Anleihen oder Bargeld. Der Grund liegt in der Natur der Anlageklassen: Aktien sind Sachwerte (Anteile an Produktivkapital). Sie bieten einen eingebauten Inflationsschutz, da Unternehmen bei steigenden Preisen tendenziell auch ihre Umsätze und Gewinne steigern können.

Bargeld und festverzinsliche Anleihen hingegen leiden unter dem stetigen Kaufkraftverlust. Wer Bargeld über 30 Jahre „sicher“ unter dem Kopfkissen oder auf dem Sparbuch liegen lässt, hat zwar nominal keinen Verlust, real aber oft die Hälfte seiner Kaufkraft eingebüßt. Siegel beweist damit, dass die größte Gefahr für den langfristigen Anleger nicht die Schwankung an der Börse ist, sondern der schleichende Wertverlust des Geldes durch Nicht-Investieren.

Die wichtigste Lektion von Jeremy Siegel bleibt: Das größte Risiko ist nicht, Aktien zu besitzen, sondern keine zu besitzen.

Langfristig sparen stabilisiert die Rendite

Die historischen Daten aus dem Jahrbuch 2025 bestätigen einmal mehr: Aktien sind der kraftvollste Motor für den langfristigen Vermögensaufbau. Eine nominale Rendite von rund 8,0 % p.a. ist eine realistische Annahme für ein breit gestreutes Weltportfolio über sehr lange Zeiträume.

Trichtergrafik: Historische Renditen des MSCI World nach Haltedauer
Maximal-, Minimal- und Durchschnittsrenditen (p.a.) eines globalen Aktienportfolios in Abhängigkeit der Haltedauer

Die obige Grafik veranschaulicht eindrucksvoll, warum der Anlagehorizont die wichtigste Komponente der Risikominimierung ist. Auf Sicht von nur einem Jahr gleicht die Börse einer Achterbahnfahrt: Historisch lag die Spannweite zwischen -42,2 % und starken 51,7 %. Wer jedoch finanzielle Geduld mitbringt, wird belohnt. Je länger du dein Kapital investiert lässt, desto stärker konvergieren die extremen Schwankungen in Richtung des langfristigen Renditedurchschnitts.

Bereits ab einer Anlagedauer von 15 Jahren glättet sich die Kurve signifikant. Bei einem Horizont von 20 oder 30 Jahren verdichtet sich der Trichter so stark, dass historisch selbst in der schlechtesten Phase der letzten Jahrzehnte eine positive Rendite (6,2 % p.a. bei 30 Jahren) erzielt wurde, während der Durchschnitt stabil um die 8,0 %-Marke pendelt.

Nominale vs. reale Rendite

Dies führt uns zur wichtigsten Unterscheidung für deine Finanzplanung: dem Unterschied zwischen Nominalrendite und Realrendite. Die oben genannten 8,0 % sind die Nominalrendite – also die reine Zahl, um die dein Kontostand wächst. Doch von diesem Wachstum kannst du dir im Supermarkt nichts kaufen, wenn die Preise im gleichen Zeitraum ebenfalls gestiegen sind.

Um deinen tatsächlichen Vermögenszuwachs zu berechnen, musst du die Inflation abziehen. Gehen wir von einer langfristigen durchschnittlichen Inflation von etwa 2 % aus (dies entspricht dem mittelfristigen Inflationsziel der EZB), schmilzt die Rendite deutlich zusammen.

Von den ursprünglichen 8,0 % Nominalrendite bleiben nach Abzug der Inflation also etwa 6,0 % Realrendite übrig. Dies ist die entscheidende Kennzahl für deine Altersvorsorge. Sie gibt an, um wie viel deine Kaufkraft tatsächlich wächst. Viele Anleger machen den Fehler, mit der Nominalrendite zu planen und unterschätzen dann, wie viel Geld sie im Alter tatsächlich benötigen, um ihren Lebensstandard zu halten.

Historische Entwicklung der Anlageklassen nach Jeremy Siegel (Stocks for the Long Run)
Logarithmische Darstellung der realen historischen Entwicklung verschiedener Anlageklassen in den USA (Quelle: Jeremy Siegel)

Die Österreich-Rechnung

Als Anleger in Österreich müssen wir der Rechnung noch eine weitere Variable hinzufügen, die in internationalen Studien oft fehlt: die Steuer. In Österreich unterliegen Gewinne aus Aktien und ETFs der Kapitalertragsteuer (KESt) von 27,5 %.

Rechnen wir das Szenario für ein klassisches Depot durch:

  • Brutto-Rendite: 8,0 %
  • Steuer-Abzug: 27,5 % KESt auf den Gewinn (ca. 2,2 Prozentpunkte)
  • Netto-Rendite: ca. 5,8 %
  • Real-Rendite (nach 2 % Inflation): ca. 3,8 %

Das Ergebnis ist ernüchternd: Mehr als ein Viertel deiner Erträge fließt an das Finanzamt. Doch es gibt einen legalen Weg, diesen „Steuer-Abrieb“ massiv zu reduzieren.

Wie maximiert man die Nettorendite?

Hier kommt eine Lösung ins Spiel, die oft nur Honorarberatern und Finanzprofis bekannt ist: die fondsgebundene Lebensversicherung als „Nettopolizze“.

Anders als im Bankdepot fällt auf die Erträge der Nettopolizze überhaupt keine KESt an – weder laufend auf Ausschüttungen oder Umschichtungen noch bei der späteren Auszahlung. Zwar fällt zu Beginn einmalig 4 % Versicherungssteuer auf die Einzahlung an, doch die Erträge selbst bleiben KESt-frei. Nur wenn du den Vertrag vorzeitig kündigst oder die gesetzliche Bindefrist verletzt, kommt es zu einer Nachversteuerung: Die Versicherungssteuer erhöht sich dann auf 11 %, zuzüglich gegebenenfalls Einkommensteuer.

Der entscheidende Faktor sind hier die „Mantelkosten“ der Versicherung. Bei provisionsfreien Nettotarifen sind diese extrem niedrig.

Ein Praxis-Beispiel: Betrachten wir eine Einmalanlage (z. B. 100.000 €). Bei modernen Anbietern wie Standard Life liegt die Zinsminderung – also die Pflichtkennzahl der Kostentabelle nach Anlage 1 zur LV-InfoV 2018, die die gesamte Renditeminderung durch alle Kostenfaktoren (Steuern, Hüllenkosten und Fondskosten) aufzeigt – bei nur 0,35 % bis 0,50 % p.a. – je nach Laufzeit und Alter der versicherten Person.

Das verändert die Rechnung drastisch:

  • Brutto-Rendite: 8,0 %
  • Zinsminderung: - 0,45 %
  • KESt auf die Erträge: 0 % (weder laufend noch bei der Auszahlung; Nachversteuerung nur bei vorzeitiger Kündigung oder Verletzung der Bindefrist)
  • Netto-Rendite: ca. 7,5 %
  • Real-Rendite (nach 2 % Inflation): ca. 5,5 %
Kostentabelle nach Anlage 1 zur LV-InfoV 2018 mit Zinsminderung einer Standard Life Nettopolizze bei Einmalerlag
Zinsminderung (Kostentabelle nach Anlage 1 zur LV-InfoV 2018) für verschiedene Renditeannahmen einer Standard Life Nettopolizze mit Einmalerlag und Musterportfolio

Das Ergebnis verdeutlicht den enormen Hebel der Steueroptimierung: Während dein realer Kaufkraftgewinn im Bankdepot nach Abzug von Steuern und Inflation bei etwa 3,8 % liegt, erzielst du mit der Nettopolizze ca. 5,5 % reale Netto-Rendite. Dieser Renditevorsprung von 1,7 Prozentpunkten pro Jahr bewirkt über Laufzeiten von 20 oder 30 Jahren durch den Zinseszinseffekt einen Zugewinn von zehntausenden Euro an zusätzlichem, realem Vermögen – und das bei exakt denselben ETFs, rein durch die Wahl der effizienteren rechtlichen Hülle.

Doch lass dich von der nominalen Bruttorendite nicht blenden. Für deine persönliche Finanzplanung solltest du stets konservativer rechnen. Wenn du Inflation und die österreichische KESt berücksichtigst, ist im Bankdepot eine reale Netto-Rendite von 3 % bis 4 % ein solider Richtwert. Das klingt nach wenig, entfaltet aber über den Zinseszinseffekt über Jahrzehnte eine enorme Wirkung. Nur mit einer Nettopolizze kannst du diese Rendite signifikant steigern.

Quellen: Dimson/Marsh/Staunton – UBS Global Investment Returns Yearbook 2025 (1900–2024); Jeremy Siegel – Stocks for the Long Run. Rechtsquellen: EStG 1988 (§ 27a); VersStG 1953 (§ 5 Abs. 5).

Dieser Artikel stellt keine Steuer- oder Anlageberatung dar. Die genannten Renditen sind historische Durchschnittswerte und keine Prognose für die künftige Wertentwicklung.

Häufig gestellte Fragen

Was ist eine gute Rendite für Aktien pro Jahr?

Eine „gute“ Rendite ist jede Rendite, die langfristig deutlich über der Inflationsrate liegt. Historisch lag die durchschnittliche nominale Rendite globaler Aktien bei 8–10 % (je nach Zeitraum). Sei skeptisch bei Versprechen, die „garantiert“ 10 % oder mehr pro Jahr bieten – hohe Renditen bedeuten immer auch hohes Risiko.

Was ist der Unterschied zwischen Rendite und Dividende?

Die Dividende ist nur ein Teil der Rendite (die Gewinnausschüttung in €). Die Gesamtrendite ist die Summe aus Dividende UND Kursgewinn, ausgedrückt in Prozent. Eine Aktie kann 0 % Dividende zahlen und trotzdem 20 % Rendite durch Kursgewinne bringen.

Wie lange dauert es, bis sich mein Geld bei X % Rendite verdoppelt?

Dafür gibt es die "72er-Regel" (eine Faustformel): 72 / Jährliche Rendite (in %) = Jahre zur Verdopplung. Beispiel: Bei einer durchschnittlichen Rendite von 7 % pro Jahr verdoppelt sich dein Kapital (dank Zinseszinseffekt) etwa alle 10,3 Jahre (72 / 7 ≈ 10,3).