Wie finde ich einen guten Honorarberater?

Marcel Unterlerchnervon Marcel Unterlerchner
Stand: 11.07.2026

Ob Hausbank oder Versicherungsvertreter – die Altersvorsorge der meisten Österreicher wird von Beratern gestaltet, die durch Provisionen bezahlt werden. Diese Kosten sind unsichtbar, werden direkt von deinem Kapital abgezogen und schmälern deine Rendite über Jahrzehnte. Ein Honorarberater arbeitet anders: Er wird ausschließlich von dir bezahlt und ist damit frei von Produktinteressen.

Was macht ein Honorarberater eigentlich?

Ein Honorarberater fungiert als neutraler Experte für deine Finanzen. Im Gegensatz zum klassischen Bankberater, der primär Produkte der eigenen Bank oder Versicherung verkauft, analysiert ein Honorarberater deine gesamte finanzielle Situation völlig produktunabhängig. Sein primäres Ziel ist die Erstellung einer maßgeschneiderten Strategie, die deine Ziele – wie etwa den vorzeitigen Ruhestand oder den Hauskauf – bestmöglich erreicht.

Zu den Kernaufgaben gehört die Erstellung von wissenschaftlich fundierten Anlagekonzepten, meist auf Basis kostengünstiger ETFs – je nach Situation direkt im Depot oder innerhalb einer provisionsfreien Nettopolizze. Letztere ist ein Versicherungstarif ohne eingepreiste Provisionen, der in Österreich primär über spezialisierte Honorarberater oder provisionsfrei arbeitende Mehrfachagenten vertrieben wird. Ein echter Berater wird dir zudem oft raten, bestehende teure Verträge zu optimieren oder Schulden zu tilgen, statt neue Investments abzuschließen – eine Empfehlung, die ein Provisionsverkäufer aus Eigeninteresse selten geben würde.

Wie viel kostet ein Honorarberater in Österreich?

Die Vergütung in der Honorarberatung ist transparent und wird vorab schriftlich vereinbart. In Österreich gibt es im Wesentlichen drei gängige Abrechnungsmodelle, die je nach Umfang der Beratung zum Einsatz kommen.

Am häufigsten ist das Zeithonorar. Ein qualifizierter Honorarberater verlangt in Österreich üblicherweise einen Stundensatz zwischen 150 € und 250 €. Für komplexere steuerliche oder rechtliche Fragestellungen können die Sätze vereinzelt bis zu 320 € steigen. Wichtig für dich als Konsument: In Österreich fallen auf Beratungsleistungen 20 % Umsatzsteuer (USt) an. Während Provisionen bei Versicherungen oft steuerfrei abgerechnet werden, musst du das Honorar brutto kalkulieren.

Neben dem Stundensatz gibt es oft Pauschalhonorare für spezifische Pakete, wie etwa eine komplette Depot-Analyse oder die Vermittlung einer Nettopolizze. Bei der langfristigen Betreuung von großen Vermögen ist zudem ein volumensabhängiges Honorar üblich, das meist zwischen 0,5 % und 1,5 % des verwalteten Vermögens pro Jahr liegt.

Wie viel verdient ein Honorarberater?

Die Einkommenssituation von Honorarberatern in Österreich variiert stark zwischen Angestellten in großen Beratungsgesellschaften und Selbstständigen. Angestellte Finanzberater verdienen im Durchschnitt etwa 56.400 € brutto pro Jahr. Bei erfahrenen Unternehmensberatern in der Finanzbranche liegt das Gehalt oft über 62.700 €.

Selbstständige Honorarberater erzielen zwar oft hohe Umsätze von über 100.000 € pro Jahr, tragen aber auch sämtliche Kosten für Haftpflichtversicherungen, GISA-Gebühren und laufende Fortbildungen selbst. Ein selbstständiger Experte muss ein Honorar von etwa 120 € bis 150 € pro Stunde verlangen, um nach Abzug aller Kosten und Steuern ein Nettoeinkommen zu erzielen, das mit einem gut bezahlten Angestelltenverhältnis vergleichbar ist. Da die Vor- und Nachbereitung einer Beratung oft viel Zeit in Anspruch nimmt, die nicht direkt fakturiert werden kann, ist ein hoher Stundensatz für eine nachhaltige Kanzleiführung essenziell.

Liste seriöser Berater & Portale in Österreich

Um dir die Suche zu erleichtern, haben wir hier eine Auswahl an etablierten Unternehmen und Plattformen zusammengestellt, die in Österreich für Honorarberatung oder unabhängige Analysen bekannt sind:

Anbieter / PortalFokusStandort
fynupDigitale Finanzberatung · Vergleich mit nettopolizze.atOnline · fynup.at
Mag. Dr. Wolfgang EllmaierStrategische FinanzplanungWien
Capscale HonorarberatungUnabhängige HonorarberatungOnline · capscale.io
Fire FinanzberatungUnabhängige HonorarberatungOnline · fire-finanzberatung.com

Quellen: FMA – Marktübliche Entgelte; FMA – Beratungsgespräch; GewO 1994 (§ 136a); UStG 1994 (§ 6 Abs. 1 Z 8, 13); GISA-Register.

Dieser Artikel stellt keine Steuer- oder Anlageberatung dar.

Häufig gestellte Fragen

Bieten auch klassische Filialbanken Honorarberatung an?

In der Regel bieten klassische österreichische Filialbanken keine echte Honorarberatung an. Sie agieren meist als Erfüllungsgehilfen ihrer hauseigenen Produktanbieter. Selbst wenn eine „Beratungsgebühr“ verlangt wird, fließen im Hintergrund oft versteckte Provisionen (Kickbacks). Eine echte Honorarberatung findet durch gewerbliche Vermögensberater statt, die ausschließlich auf Honorarbasis arbeiten – sie nutzen direkt provisionsfreie Nettotarife.

Woran erkenne ich einen „falschen“ Honorarberater?

Vorsicht ist geboten, wenn ein Berater zwar ein Honorar verlangt, dir aber dennoch klassische Versicherungsprodukte mit hohen laufenden Kosten verkauft. Ein seriöser Berater händigt dir eine schriftliche Vergütungsvereinbarung aus und weist nach, dass er Zugriff auf Nettotarife (Nettopolizzen) hat, in denen keine Abschluss- oder Vertriebskosten enthalten sind. Prüfe zudem im GISA-Register, ob der Berater die Berechtigung zur „Vermittlung von Veranlagungen“ besitzt.

Ist das Honorar für die Finanzberatung in Österreich steuerlich absetzbar?

Für Privatpersonen ist das Honorar leider nicht als Sonderausgabe absetzbar. Es zählt zu den Kosten der privaten Lebensführung. Ausnahme: Wenn du die Beratung für deine betriebliche Altersvorsorge oder im Rahmen von Einkünften aus Vermietung und Verpachtung nutzt, können die Kosten als Betriebsausgaben oder Werbungskosten geltend gemacht werden.

Warum kostet die Beratung in Österreich 20 % mehr als in Deutschland?

Das liegt an der Umsatzsteuer. Während Finanzvermittlung auf Provisionsbasis in der EU oft steuerbefreit ist, unterliegt die reine Beratungsleistung gegen Honorar in Österreich dem Regelsatz von 20 % USt. In Deutschland ist die Honorar-Finanzanlagenberatung unter bestimmten Bedingungen umsatzsteuerfrei – diesen Vorteil haben wir in Österreich aktuell leider nicht.

Lohnt sich ein Honorarberater auch bei kleinen monatlichen Sparraten?

Bei kleinen Sparraten (unter 100 € monatlich) fressen die initialen Honorarkosten oft die Renditevorteile der ersten Jahre auf. Honorarberatung spielt ihre Stärken vor allem bei Einmalanlagen ab ca. 20.000 € oder bei langfristigen Rentenversicherungen (Nettopolizzen) aus, da hier die Ersparnis durch den Wegfall der Provisionen über 20–30 Jahre meist im fünfstelligen Bereich liegt.